5 Schlüssel für die optimale Leistungsfähigkeit von Teams (nach Google)

Google hat sich umfassend mit der Frage auseinander gesetzt, was hoch erfolgreiche Teams eigentlich ausmacht. Das interessante an der Geschichte sind 2 Dinge: zum einen natürlich das Ergebnis, zum anderen aber auch, wie wenig offensichtlich es war, die tatsächlich relevanten Muster zu finden.

Vor einigen Jahren startete Google dazu ein Projekt, für das sämtliche akademische Studien zum Thema ausgewertet und analysiert wurden und untersuchte über 180 Teams im Unternehmen. Man wollte herausfinden, was genau die Teams die erfolgreich waren von den Teams unterschied, die schwächelten. Google generierte Unmengen an Daten, konnte jedoch zuerst keine signifikanten Muster ausmachen, wie auch immer die Daten miteinander kombiniert wurden. Die erfolgreichen Team waren in vieler Hinsicht extrem unterschiedlich. Persönlichkeitstypen, Fähigkeiten und Kenntnisse, Background – waren grundverschieden von Team zu Team und schienen keinen bedeutsamen Einfluss zu haben. Auch das Verhalten im Allgemeinen in den Teams schien unterschiedlich. Mal war es eine Gruppe smarter Teammitglieder, die ihre Arbeit gut und gleichmäßig untereinander aufzuteilen verstanden, andere Gruppen wiederum bestanden aus eher durchschnittlichen Mitgliedern, die wiederum die jeweiligen Stärken des Einzelnen zu nutzen wussten. Wieder andere Gruppen hatten eine starke Führung, in anderen war Führung fließender gestaltet – und jeder übernahm phasenweise eine führende Rolle.

2008 fand eine Gruppe von Wissenschaftlern heraus (um Anita Williams Woolley von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh) dass 2 Verhaltensweisen ausschlaggebend waren, die alle erfolgreichen Gruppen gemeinsam hatten.

1. In den guten Teams hatten die Mitglieder den gleichen Gesprächsanteil. Auch als „Gleichverteilung im Sprecherwechsel“ genannt. Unabhängig davon wie diese Sprecherwechsel in den jeweiligen Gruppen strukturiert waren – am Ende des Tages hatten alle ungefähr gleichwertige Sprechanteile. Solange also jedes Mitglied die Chance auf gleiche Redezeit hatte, lief alles gut. Wenn jedoch nur eine Person oder eine kleine Gruppe innerhalb des Teams dominant sprach, verschlechterte dies die kollektive Intelligenz.

2. Als zweiten bedeutenden Faktor für die Effektivität eines Teams identifizierten die Wissenschaftler die „soziale Sensibilität“ der einzelnen Gruppenmitglieder. Also die Fähigkeit, die Gefühle der anderen wahrzunehmen. Die Mitglieder der schwächeren Teams zeigten hinsichtlich der „sozialen Sensibilität“ eher unterdurchschnittliche Werte.

Das Team von Google bringt diese Ergebnisse mit „psychologischer Sicherheit“ in Verbindung (Amy Edmundson, aber auch bereits bei Edgar Schein und Kurt Lewin u.a. beschrieben). Psychologische Sicherheit bedeutet, dass Teammitglieder das Gefühl haben, Risiken eingehen zu können, wie z.B. abweichende (eigene) Ideen zu äußern, Kritik offen zu äußern und Meinungen zur eigenen Arbeit einzuholen sowie Fehler zugeben zu können und um Hilfe zu bitten. Mit anderen Worten: Vertrauen ist der Schlüssel.

Nach diesen Erkenntnissen wurden nun alle Daten im Google Projektteam neu betrachtet.
Diese 5 Aspekte hat Google für sich als ausschlaggebend für den Erfolg von Teams identifiziert:

1. Psychologische Sicherheit: Teammitglieder fühlen sich sicher, um Risiken eingehen zu können und auch verletzbar zu sein.
2. Verlässlichkeit: Teammitglieder erledigen Dinge rechtzeitig mit den entsprechenden Ergebnissen
3. Klarheit und transparente Strukturen: Teammitglieder haben klare Rollen, Pläne und Ziele.
4. Bedeutung und Sinn: die Arbeit ist persönlich wichtig für Teammitglieder („Überzeugungstäter“)
5. Einfluss: Die Teammitglieder wissen, dass ihre Arbeit etwas wichtiges bewirkt und sie dadurch tatsächlich Einfluss ausüben.

Spannend ist in diesem Zusammenhang aber auch, welche Variablen Google als eher unwichtig für die Effektivität eines guten Teams identifiziert hat:

  • Zentrale Teams: Teammitglieder die alle im selben Office sitzen
  • Konsensorientierte Entscheidungen
  • Extraversion der Teammitglieder
  • Die individuelle Performance der Teammitglieder
  • Der Umfang des Workload 
  • Seniorität
  • Teamgröße
  • Beschäftigungsdauer

Googles Projekt „Aristotele“ wurde bereits oft zitiert. Wir können nun auf eine kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Ergebnissen gespannt sein.